Ein kleiner Blick in die Welt des Frauenteams und die 2. Berlin-Liga-Saison (2020/21)

Sicher werden jetzt wieder einigen denken und auch sagen: „Ja klar, jetzt wo er 2 Mal gewonnen hat, macht er wieder einen auf ‚dicke Hose‘“ und eben genau, weil 2 Erfolge für unser Team zum Start in die 2. Saison in der Verbandsliga nicht alltäglich sind, kommt ein kleiner Bericht!

Und trotz zweier Siege backen wir bei den Frauen kleine Brötchen, auch nach 6 Punkten aus den ersten beiden Spielen. Wir heben nicht ab und fangen nicht an zu phantasieren. Wir bleiben auf dem Boden, arbeiten weiter hart und haben nur das nächste Spiel im Kopf. Den die Aufgabe Klassenerhalt ist dieses Jahr für unser sehr junges Team, gespickt mit ein paar erfahrenen und sehr wichtigen Hasen, noch schwerer als im Letzten. Da wir nur eine Runde spielen, können wir uns in den insgesamt 13 Spielen nicht einen einzigen Ausrutscher leisten. Es gilt in jedem Spiel an die Grenzen zu gehen und diese, wenn möglich zu erweitern.

 

Sicher werden wir gegen die noch größeren Teams in der Liga auch wieder Niederlagen und mehr Gegentore kassieren. Aber wie das Team gezeigt hat, ist es dann, wenn „Crunchtime“ ist, derzeit zur Stelle. Aber auch Teams wie Lichtenberg 47 und Viktoria II sind uns und unserer Entwicklung noch voraus und deshalb keine „kleinen Teams“. Sie sind etabliert in der Liga und arbeiten schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten kontinuierlich an ihrem standing. Die „Kleinen“ das sind wir. Aber im „Schatten“ des sehr großen 1. FC Union entwickelt sich etwas im Südosten Berlins. Die kleine Pflanze im Frauenbereich des FSV wächst auch dank der guten Jugendarbeit seit einigen Jahren fortwährend und so kam man mittlerweile geilen Verbandsligafußball in Friedrichshagen spielen.

 

Ein Grund warum es gerade bei uns läuft: Wir haben bis auf Hanna und bald Timi (beide im Ausland) keine Abgänge. Der Kader umfasst ohne die beiden 30 Spielerinnen. Es gab Zuwachs aus den B-Juniorinnen, ein paar „externe Zugänge“ und auch ein paar Rückkehrer aus früheren Jahren, so dass wir einen breiten Kader haben. Dieser lässt eben ein quantitativ und in der Folge qualitativ besseres Training zu. Dies führt automatisch dazu, dass Spielerinnen sich entwickeln können. Gleichzeitig gibt der große Kader uns die Möglichkeit Verletzungen und Krankheiten besser auszukurieren.

 

Doch bevor es mit der 2. Saison in der Verbandsliga losging, waren die Auswirkungen des Saison- und Trainingsabbruch im März zu überwinden und sich gefühlt ewig vorzubereiten. Dieses Team ist aber eben nicht nur der zusammengewürfelte Haufen aus Individualisten. Schon beim Lockdown blieb das Team nicht tatenlos, wie viele andere Mannschaften auch, „quälten“ sie sich durch den April mit einer Challenge und waren darüber hinaus auch im Cybertraining sehr aktiv. Seit Mai konnten wir wieder zusammen draußen trainieren. Der Begin war etwas befremdlich, da mit Abstand beim Trainieren. Aber auch das ging und wurde ja dann „schnell“ aufgehoben. So bereiteten wir uns schon seit dem Frühjahr mit 3 Trainingseinheiten pro Woche auf die neue Saison vor. Auch in den Ferien konnten wir, dank Zustimmung des Vorstandes, 2 Mal die Woche trainieren.

In der Vorbereitung spielten wir insgesamt 5 Testspiele. Gegen die B-Juniorinnen von Anja vom 1.FC Union gab‘s ein 1:4. Gegen die 2. Frauen des FCU sogar ein 0:7. Danach spielten wir in der Bonava-Arena in Fürstenwalde gegen die Frauen des FSV Union Fürstenwalde (4:1). Nochmal Danke an Marius für dieses tolle Event. Unsere B-Juniorinnen von Lisa sprangen dankenswerterweise für Stern 1900 ein und zum Schluss noch ein Highlight, ein Spiel gegen die U21 von Hannover 96 (1:3).

 

So traten wir mit viel Spielpraxis und noch mehr Trainingseinheiten mit einem 14er Kader die Reise nach Lichtenberg an. Aber es waren eben nicht nur die 14 anwesend, sondern fast alle Kranken, Verletzten und Nichtspielberechtigten. Dazu noch unsere Fans (alle Eltern, Freunde, Bekannten, Lebenspartner-innen), so das da schon ein bunter Haufen zum Anfeuern am Spielfeldrand stand.

Aus dem letzten Jahr wussten wir, dass es kein einfaches Spiel werden wird, hatten wir doch am Ende nach 2:0 Führung noch glücklich 2:2 gespielt.

Die Starting-11 sah wie folgt aus: Jenni im Tor; die 4er-Abwehr mit Franca, Steffi, Fine und Tess; Lauri als 6erin vor der Abwehr; die 4 im Mittelfeld waren Katja, Cindy, Joe & Charlie; Sandra im Angriff.

Die Mannschaft begann hochkonzentriert und erarbeitete und erspielte sich ein deutliches Übergewicht. Aus dieser Überlegenheit fiel in der 14. Minute das 1:0. Nach schönem Schnittstellenpass von Joe umkurvte die eingestartete Charlie die Torhüterin und netzte zu ihrem ersten Pflichtspieltreffer für den FSV ein. Auch danach hatten wir noch zahlreiche sehr gute Chancen aber das zweite Tor wollte nicht fallen. Auch da der Schiedsrichter einem schönen Treffer wegen angeblichem Abseits die Gültigkeit aberkannte (selbst der Trainer von L47 sah dort kein Abseits). Nach ca. 30 Minuten und absoluter Spielkontrolle verloren wir ein wenig den Faden. Wir waren zu sehr darauf bedacht als Individuen zu glänzen, anstatt weiter den Teamfußball zu spielen der uns bis dahin ausgezeichnet hatte. So war der Trainer eben schon vor der Pause und auch in selbiger nicht wirklich zufrieden, weil eben mehr in dieser Mannschaft steckt.

Die 2. Hälfte begann und schon erzielte Lauri nach Ablage von Cindy mit einem tollen Weitschuss über die Torhüterin in der 48. Minuten das 2:0. Lichtenberg gab sich nicht auf und kämpfte um den Anschlusstreffer. Doch durch gutes Zweikampfverhalten und hohe Laufbereitschaft konnten viele Angriffe schon früh abgefangen und selbst sich selbst aussichtsreiche Situation erspielt werden. Wieder verhinderte ein Fehl-Abseitspfiff des Schiedsrichters einen weiteren Treffer und um dem Ganzen dann die Krone aufzusetzen, blieb der Pfiff bei einem klaren Foul im Strafraum von Lichtenberg aus.

Aus dem letzten Jahr lernen hieß es auch für den Trainer, so waren die Einwechslungen von Lena für Sandra (77.), Antje für Joe (80.) und Marion für Charlie (83.) so angelegt die stabile Abwehr nicht umzubauen. Die 3 Eingewechselten fügten sich nahtlos ein und trugen dazu bei, das Spiel unter Kontrolle zu behalten. Jenni konnte sich mit einer klasse Parade, als sie den Ball in den Schlussminuten um den Pfosten lenkte noch auszeichnen.

Am Ende stehen 3 sehr verdiente und erspielte Punkte aus dem ersten Spiel gegen einen direkten Gegner im Kampf und den Klassenerhalt.

Kader: Jenni – Franca, Steffi, Fine, Tess – Laura – Katja, Cindy, Joe (80. Antje), Charlie (83. Marion) – Sandra (77. Lena)

 

Das 2. Punktspiel sollte erst 3 Wochen später erfolgen, so dass der Trainer neben dem 3-maligen Training pro Woche dem Team in dieser Phase 3 Testspiele verordnete. Gegen Schöneberg (6:0) und Blau-Gelb (4:1) spielten wir sonntags zu Hause. Danke an den Verein/Vorstand, der diese Spiele ermöglichte. Der 3. Test ein Trainingsspiel fand an einem Freitag bei Union II im Bruno-Bürgel-weg statt (1:8). Warum so viel Testen? Einfach um im Rhythmus zu bleiben, die Spielerinnen mit weniger Spielpraxis weiter an den Kader heranzuführen und angeschlagenen Spielerinnen Kurzeinsätze zum „Abchecken“ zu ermöglichen.

 

Mit wieder viel Spielpraxis in den Beinen gingen wir die Aufgabe Viktoria II im Heimspiel an. Zu dem Potential von Viktoria Berlin im Ganzen sei nur kurz der Umstand erwähnt, dass Viktoria I an diesem Tag im DFB-Pokal in Bochum spielte. Hier sieht man das Ergebnis einer seit Jahrzehnten erstklassigen Arbeit im Frauenbereich.

 

Respekt ist für die Viktoria ist also reichlich vorhanden und nach der Niederlage letztes Jahr ahnten wir, was auf uns zu kommt. Technisch und taktisch ist die junge Viki-Reserve auch dank Trainer Matze Vogel bestens ausgebildet und so war es nur verständlich, dass sie über die 90 Minuten das spielstärkere und dominante Team waren. Unser Team wollte mit viel Leidenschaft, Einsatz und absolutem Teamplay dagegenhalten und selbst auch fußballerische Akzente setzen. Allerdings fanden wir recht schwer ins Spiel und Viktoria übernahm sofort die Spielkontrolle. Aus dieser heraus erzielte sie früh mit einem sehr schönen aber durchaus haltbaren Distanzschuss das 1:0.

Die Mannschaft ließ sich davon aber nicht zu sehr verunsichern. Sie nahm den Kampf nun komplett an und wusste auch mit dem ein oder anderen Spielzug zu gefallen. So konnten gelegentlich kleine aber feine Nadelstiche gesetzt werden. Einer dieser war das 1:1, als Cindy nach Zuspiel von Joe sich den Ball noch einmal leicht nach rechts vorlegte und mit einem langen Heber aus gut 25m den Ball über die Torhüterin ins Tor beförderte. Wenig später hatte Katja nach Pass von Joe noch die riesen Chance vor der Pause auf 2:1 zu stellen, doch der Ball rollte wenige Zentimeter am leeren Tor vorbei. Viktoria hatte weiter mehr vom Spiel und kam noch einige Male mit sehr guten Schnittstellenpässen verheißungsvoll in unseren 16er aber mit viel Leiden- und Laufbereitschaft konnte wir einen weiteren Einschlag verhindern.

Im zweiten Abschnitt wollte wir an die Leistung der ersten Hälfte anknüpfen. Viktoria war weiter drangvoll und hatte gute Chancen welche sie zu unserem Glück gelegentlich zu überhastet abschlossen oder den Pfosten trafen. In der 58. Minuten musste eine der Besten bei Vitoria (Julia Grünky) nach einem unglücklichen Zusammenprall verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Gute Besserung auf diesem Weg.

Nur kurz danach haben wir, nach einem Foul an Sandra, einen Freistoß aus gut 20 Metern in zentraler Position. Cindy nimmt sich die Pille und will sie links in Gehäuse zirkeln, die Mauer springt hoch und fälscht den Ball unhaltbar nach rechts ab. Die 2:1 Führung.

Wenig Minuten später (68.) ist für Katja und Franca verletzungsbedingt Feierabend. Lena und Leonie besetzen nun die rechte Seite und lassen nicht mehr viel zu.

Viktoria erhöhte nun den Druck weiter. Wir standen nun (zu) tief und verlegten uns zu Sehens darauf zu kontern. Dies gelang in dieser Phase aber zu selten wirklich bis zum Abschluss, so dass es bei guten Ansätzen blieb. Einer dieser Ansätze wurde in der 74. Minuten von Viktoria geklärt. Allerdings setzten Leonie und Sandra nach und eroberten den Ball. Leonie zog dann dynamisch in den 16er und legte quer auf Cindy, die den Ball überlegt zu ihrem Hattrick zum 3:1 links im Tor unterbrachte. Natürlich war die Freude darüber entsprechend groß und machte den Trainer „stimmlos“.

Antje ersetzte in der 78. Minute Joe und machte mit Laura zusammen die Mitte dicht. Trotzdem kam Viktoria noch immer gefährlich vor unseren Kasten. Eine Flanke von links konnte Jenni nur in die Mitte abwehren. Zum Glück spielte Tess mit und blockte den sicheren Torschuss zur Ecke. Die erfahrenen Julia und Trine wurden in der 83. Minuten für Charlie und Sandra eingewechselt, um dem Spiel wieder mehr Sicherheit und Entlastung zu bringen. Kurz darauf dann nochmal eine knifflige Szene. Viktoria setzt einem Ball entscheidend nach, wir verteidigen nicht griffig genug und so kommt die Außenbahnspielerin noch an den Ball, spielt ihn nach innen und dort schiebt man zum vermeintlichen Anschlusstreffer ein. Alle von uns beteiligten Spielerinnen sahen den Ball jedoch zuvor im Aus. Zum Glück auch der Schiedsrichter, so dass er den Treffer nicht gab.

Mit einer 3-minütigen Nachspielzeit ging das Spiel am Ende irgendwie glücklich und doch nicht gänzlich unverdient mit 3:1 zu Ende und wir freuen uns riesig über den zweiten „Dreier“ in dieser noch jungen wenngleich gefühlt schon sehr langen Saison.

Auch wenn Viktoria taktisch und individuell sicherlich besser war als wir, so haben wir dies mit unseren Tugenden ausgeglichen. Wenn aus einem Team mehr wird, als die Summe der Einzelspielerinnen, dann können auch die Große geärgert werden.

Kader: Jenni – Franca (70. Lena), Steffi, Fine, Tess – Laura – Katja (Leonie), Cindy, Joe (78. Antje), Charlie (83. Trine) – Sandra (83. Julia) … Marion und Tabea kamen leider nicht zum Einsatz – aber gerade ihnen gehören diese 3 Punkte, wie auch unseren Fans (Spielerinnen nicht im Kader, Familie, Bekannte, Vereinsmitglieder, …), die uns so riesig unterstützt haben. Dank auch an die Herren für den Support in der 1. Hälfte.

 

#WIRSINDDERFSV