Ich bin dann mal weg....

Wulf Richter verabschiedet sich nach etwas mehr als einer Dekade beim FSV 1912 e. V., er zieht ein kleines, vergnügliches und interessantes Resümee...

 

Für die neue Serie mussten leider, wie vom Nachwuchschef G. Ulbricht gewürdigt, 4 tolle Übungsleiter mit Kerstin, Volker, Wulf und Mike ihr „Ade“ aus persönlichen Gründen sagen.
Alle hochengagiert, mit vielen sportlichen Erfolgen, prägend in ihren Altersklassen und teils mehr als eine Dekade bei uns. Einer von ihnen, Wulf Richter, erinnert sich (auch) an seine Anfänge, wie immer von ihm bestens zu lesen und damit auch interessant für die öffentlichkeit...

 

Wer hätte am 29.02.2020 beim 3:1-Heimsieg gegen Berolina Stralau geglaubt, dass dies der letzte Saisonauftritt unserer A-Junioren war? Zugleich stand das Trainergespann Schalli / Richter letztmalig gemeinsam an der Linie. Wenigstens haben wir uns standesgemäß verabschiedet. Für alle Statistik-Fans: letzter Torschütze der Saison war Rouven Steglich per Kopf.

 

Alles begann für mich mehr oder weniger am 1. März 2008, als es an unserer Wohnungstür schellte. Auf der Schwelle stand Vereinslegende Wolfgang Wendt, in der einen Hand eine Urkunde, in der anderen etwas Firlefanz. Er wollte mit einem herzlichen Gruß von den Minis des Friedrichshagener SV unserem Sohn zum 5. Geburtstag gratulieren. Damit hatte er durchschlagenden Erfolg. Fortan wurde unser Sohn Bestandteil des 2003-er Jahrgangs, zunächst mit Ball am Fuß, später zumeist mit den Händen am Ball.

 

Was bleibt nach mehr als einer Dekade Friedrichshagener SV, nach insgesamt 10 Spielzeiten als Trainer, Betreuer, Organisator, Schnürsenkelzubinder, Flaschenträger, Zeugwart, Gute-Laune-Onkel und manchmal auch als Ersatzpapa?

Zu aller erstmal natürlich die guten, tollen Erlebnisse. Gleichwohl aber auch die harten Zeiten. Und die hatten wir gerade am Anfang reichlich. Gemeinsam mit Timo Mummert übernahm ich den 2003-er Jahrgang des FSV beim Übergang in den geordneten Spielbetrieb. Wir starteten als 2. F-Junioren furios mit 3 hohen Siegen am Stück. Schnell aber war es vorbei mit der Herrlichkeit. Ich erinnere mich an das erste Spiel der Rückrunde in Lichtenrade. Da standen wir einem komplett älteren Jahrgang gegenüber, alle einen Kopf größer als unsere Buben. Lautstark beschwerte ich mich, was dieser Unfug wohl soll. Willkommen im Nachwuchs-Fußball.

Erst mit dem Übergang in die E-Jugend wurde es allmählich besser. Der 2003-er Jahrgang blieb nun meist unter sich und es zahlte sich auch das regelmäßige Training aus. Kaum verwunderlich, dass wir in dieser Saison als 2. E-Junioren unseren ersten Pokal holten. Und zwar beim Fördercup des FV Erkner in deren Stadthalle. Als Nachrücker wie einst Dänemark bei der EM 1992 sprangen wir ein und fegten nach einer Auftaktniederlage alle Mannschaften vom Parkett. Obendrein erhielten wir die Ehrungen für den besten Torschützen (Finn Hujer) und den besten Torwart.
Staffelplatz 4 war ordentlich, aber kein Vergleich zu der Saison als 1. E-Junioren. Lediglich eine Niederlage kassierten wir (2:4 zu Hause gegen den Neuköllner FC Rot-Weiß). Alle anderen Spiele wurden gewonnen, in dem unsere Jungs das Hinspielergebnis egalisierten. Somit waren wir am Ende der Saison gemeinsamer Staffelsieger mit dem NFC Rot-Weiß.
4 gemeinsame Spielzeiten mit Timo – danke min Jung für diese Zeit.

 

Fortan tummelten wir uns in der D-Jugend. Timo blieb den 2003-ern treu, ich sammelte alle Spieler ein, die (noch) nicht in eines der beiden Top-D-Teams hineinpassten oder einfach nur Spielpraxis brauchten. Ab sofort sah ich auch den eigenen Sohn beim Training nur noch aus der Ferne.
Erstmals in der Historie des FSV gab es also eine 3. D-Junioren-Mannschaft. Es sollte nicht die letzte Premiere bleiben .... Und es begann eine enge Kooperation mit dem Team von Volker Schalli, seinerzeit die 1. D-Jugend. Immer, wenn Not am Mann war oder irgendetwas im Spielerinteresse zu regeln war – wir sprachen das durch und kamen stets zu vernünftigen Lösungen. Die Zusammenarbeit sollte sich eine Saison später auf Großfeld mit einem fairen Geben und Nehmen dann so richtig auszahlen.
Es war eine D-Junioren-Saison mit Auf und Abs. Tolle Spiele waren dabei, beispielsweise in Lichtenrade, wo wir in Halbzeit 2 bereits mit 3:1 zurücklagen und dennoch mit 3:4 als Sieger den Platz verließen. Neben Training, Spielbetrieb, Job und Familie drückte ich mit Timo am Kleinen Wannsee die Schulbank und erwarb die C-Trainerlizenz des DFB. Am Ende der Saison gingen alle Gedanken in die Zukunft, auf das Abenteuer Großfeld, auf den richtigen Fußball, der nun auf uns wartete. Dieser Aufgabe wollten wir uns stellen.

 

2 Großfeldmannschaften im C-Juniorenbereich – nächste Premiere beim FSV. Unser erstes Pflichtspiel als 2. C-Junioren bleibt unvergessen, umso mehr, weil es so lief wie es lief. Was da nach sehr durchwachsener Vorbereitung gegen Askania Coepenick auf dem Platz abging, gehört zu den vielen unglaublichen Geschichten, die der Fußball so hergibt. Unsere, meine Jungs überrannten die Nachbarn aus Karlshorst mit temporeichem und richtig gutem Fußball. 5:0 stand es zur Pause, am Ende 6:1. In der Hinrunde qualifizierten wir uns mit 4 Siegen, 2 Remis und lediglich einer empfindlichen Niederlage souverän für die Aufstiegsstaffel zur Bezirksklasse. Nun warteten noch stärkere Gegner auf uns. Wir hielten aber dennoch gut mit, wurden lediglich einmal richtig rasiert und landeten am Ende auf einem achtbaren 7. Platz. Die ersten 6 Teams stiegen direkt auf. Als erster Nachrücker wurde der FSV in der Folgesaison dann auch in die Bezirksklasse eingeordnet. Gut für Timos 2003-er und für uns gewissermaßen der Aufstieg. Unsere besten Spieler delegierten wir nach der Saison zu Volkers 1. C – und wir begannen, uns um den verbliebenen Kern des Teams herum zu verstärken ...
Dies gelang sehr gut und so feierten wir, feierte der FSV in der Saison 2016/2017 die dritte Premiere in Folge. Erstmals in der Geschichte des Friedrichshagener SV bot der Verein im C-Juniorenbereich 3 Großfeldmannschaften auf. Als 3. C-Junioren starteten wir in der Kreisklasse. Es war uns gelungen, mit Steven Kinadeter im Tor, mit Jannis Vonberg und Gian Rieck von den Friedrichshagener Wölfen die Lücken zu schließen, die Bjarke Hüser, Janis Möwius und Andor Papior mit ihrem Wechsel zur 1. C hinterlassen hatten. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich das Team gefunden, die Jungs hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Und das war auch auf dem Spielfeld zu sehen. Aus den 14 Saisonspielen holten wir 10 Siege und 4 Unentschieden. Wir verloren nicht ein einziges Spiel und kassierten in den gesamten Partien lediglich 8 Gegentore. Keine Ahnung, ob es sowas zuvor schon mal gegeben hatte beim Friedrichshagener SV. Wir waren Staffelsieger und gehörten zu den besten 3. C-Teams von ganz Berlin. In dieser Saison lernten wir, dass man auch auf dem großen Feld zweistellig gewinnen kann. Wir hatten uns mit diesem Abschneiden endgültig einen Platz im FSV-Archiv gesichert.

 

Auch als 2. B-Junioren (na klar, die 4. Premiere am Stück) blieben wir zumindest in der Hinrunde auf der Erfolgsspur und ließen mit teilweise krassen Ergebnissen aufhorchen. 6:0 beim B.S.C. Reinickendorf, 10:2 beim MSV Normannia, jeweils 12:0 zu Hause gegen Fortuna Pankow II und Anadoluspor. Als Tabellendritter der Hinrunde qualifizierten wir uns wie bereits als 2. C-Junioren für die Aufstiegsstaffel zur Bezirksliga. In der Rückrunde lief allerdings nicht mehr viel zusammen, was sicher auch daran lag, das frühzeitig signalisiert werden musste, dass die Mannschaft nicht noch eine weitere Saison zusammenbleiben würde. Dennoch machten wir das Beste aus der Situation und hatten mit der Teilnahme an einem internationalen Fußballturnier in der Nähe von Barcelona nochmal ein herausragendes, gemeinsames Erlebnis.

 

4 tolle Spielzeiten waren vorbei. Was tun? Eine verdammt schwierige Entscheidung stand an – jetzt aufhören, was konsequent gewesen wäre, oder gemeinsam mit Volker Schalli die eigentlich meist noch im B-Juniorenbereich spielberechtigten 2002-er als neue A-Junioren aufbauen und in die Landesliga begleiten? Einmal auch höherklassig trainieren und dabei sein – das war reizvoll, wie natürlich auch die Zusammenarbeit mit Volker, mit dem die Chemie schon immer stimmte und meistens auch die Vorstellungen von Fußball. Also – gesagt, getan.

 

Die Saison 2018/2019 sah ein verdammt junges A-Juniorenteam mit dem Trainergespann Volker Schalli / Wulf Richter. Und die Jungs machten es verdammt gut. Platz 4 am Ende, wo die meisten mit Abstiegskampf gerechnet hatten. Großartige Spiele waren dabei, oftmals aber auch das notwendige Quäntchen Glück.
Auch in der Saison 2019/2020 hieß der Auftrag Klassenerhalt. Mit Platz 3 am Ende der Hinrunde, Platz 5 vor Corona, lediglich 3 Punkten hinter dem ersten Aufstiegsplatz und satten 19 Punkten Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz war auch dieser Auftrag nahezu erfüllt. In Erinnerung bleiben die ersten Spiele auf dem heiligen Naturrasen. Zwar wurde das Pokalspiel gegen den Verbandsligisten Tasmania nach 1:0-Pausenführung noch klar verloren, in den 3 Punktspielen auf Naturrasen holten wir dann aber 2 Siege und 1 Unentschieden.

 

Nun heißt es also Abschied nehmen vom Fußball, vom Verein, von den Jungs. Wie auch Volker habe ich nun einmal den gesamten Nachwuchsbereich durchlaufen, von den Minis bis zur A-Jugend.
Unseren Nachfolgern Kay Perl und Timo Mummert drücken wir die Daumen. Ebenso drücken wir die Daumen, dass es den Verantwortlichen gelingt, den Friedrichshagener SV fit und stabil für die Zukunft zu machen. Mittelfristig sollte im männlichen Nachwuchs-Großfeldbereich die Zugehörigkeit zur Landesliga gesichert werden. Aushängeschild könnte das Frauenteam sein. Mit etwas Konstanz im Männerbereich sollte mindestens die Bezirksliga drin sein, perspektivisch vielleicht auch die Landesliga.
Vielen Dank an alle, mit denen ich in den vergangenen Jahren beim FSV zusammenarbeiten durfte. Macht es gut und bleibt gesund.

Wulf Richter, Anfang Juni 2020

 

(ME)