SG Friedrichshagen vor 50 Jahren, Serie 1969 / 1970

Neuaufbau Herren, große Pokalerfolge, strenger Winter – die Schlagzeilen dieser Serie

 

In der aktuelll weiter wettbewerbslosen Zeit erinnern wir uns auch gern Vergangenes. Besonders runde Jubiläen sollten zum Anlass genommen werden, an diese Erfolge und manches „Nebenbei“ zu denken...
Solch eine Serie wie 1969/1970 war in der Geschichte des FSV 1912 / SG Friedrichshagen eine sehr bemerkenswerte, nicht nur wegen des strengen und schneereichen Winters, der den Spielbetrieb durcheinanderwirbelte, sondern auch wegen des größten Pokalerfolgs in der gesamten Historie.


Zudem meldete die SG Friedrichshagen das erstemal nach dem 2. Weltkrieg eine Alte Herren (AH) – Mannschaft (irreführender Name, die Spieler waren „erst“ 35 und älter...) für den Wettkampfbetrieb, die nun auch noch sofort Staffelmeister wurde !

Sportlich musste Trainer Joachim Rose einen Neuaufbau der 1. Herren in der Bezirksklasse Staffel A (zweithöchste Spielklasse in Berlin-Ost mit immerhin 18 Mannschaften !) mit einigen Juniorenspielern (Bernie Kohlt, Orlik, Hämling, Alperstädt, Reich, Schenk u.a) in Angriff nehmen.

Im Nachwuchsbereich war die SG F mit den Junioren, der Jugend in der Bezirksklasse und als Schüler- und Knabenmannschaft im Kreis Köpenick vertreten.

 

Geprägt wurde die Serie aber durch den (FDGB) - Pokal, ein Wettbewerb, in dem wir ansonsten eher nicht so in Erscheinung treten und traten... Mitte August 1969 der erste Auftritt in diesem FDGB-Bezirkspokal, 1. Runde. Die SG Friedrichshagen schlug Traktor Neuenhagen glatt mit 3 : 0 (1:0). Die Tore erzielten Klaus Vogel (2) und Bernie Kohlt. Es war der von keinem zu diesem Zeitpunk erahnte Beginn der besten Pokalserie in der Geschichte der SG Friedrichshagen / SC Burgund 1912 / FSV 1912) !

 

Die Meisterschaft begann am 31. August, die ersten 17 Spiele wurden bis zum Jahreswechsel durchgezogen, wir sahen ein Auf und Ab in der Form, einen mäßigen Beginn, Konsolidierung zur Halbserie mit Kontakt zur Spitzengruppe um Berolina Stralau. Bemerkenswert gut fügten sich die o. e. Junioren ein, sie wurden teils Stammkräfte und Leistungsträger (Besonders Bernhard Kohlt sei zu nennen). Dabei ungewöhnliche Resultate mit dem 5:5 am 4.10 gegen Fortschritt Buchholz mit den starken Gehring-Brüdern, wo wir durch B. Kohlt in Minute 84 mit 5:4 führten, aber noch den Ausgleich kassierten. Oder am 25. Oktober, wo wir Tiefbau Ost deren erste Heimniederlage mit 1:0 beibrachten und das (für unsere Nostalgiker !) mit folgendem Aufgebot: Heinze, Vogel, Brosin, Rückbrodt, Schönknecht, Thomsen, Wagner, Hellwig, Göricke, Kohlt, Schenk, TS Göricke in der 44. Minute, starker Heinze im Tor.

Zum Ende Hinrunde ziemlich guter 5. Platz mit 7 Siegen, 6 Remis und 4 Niederlagen bei 27 : 26 Toren und Kontakt zur Spitzengruppe bei 20:14 Punkten.

 

Auch der administrative Bereich war in Bewegung. Bei den Sektionswahlen wurde der langjährige Sektionsleiter Wilhelm Heinen wieder bestätigt, Stellvertreter Walter Hoffmann, Gerhard Mitscherlich, Technischer Leiter: Joachim Rose, Finanzen: Paul Petrat, Nachwuchsleiter: Gerhard Richter, Revision: auch Gerhard Richter und H. J. Przybylski. Richtig gelesen, unser „Przyby“, der 13 Jahre später für lange 20 Jahre bis 2003 in vorzüglicher Art unsere Sektion, Verein, Abteilung führte wie kaum jemand vor ihm und niemand nach ihm.

 

Ab Dezember 1969 Beginn eines langen und schneereichen Winters bis Mitte/Ende März, der großen Einfluss auf den gesamten Spielbetrieb hatte. Unsere Herren mussten so in 80 Tagen ab Ende März / Anfang April 1970 mehr als 20 Spiele absolvieren, Brennpunkt dabei der Pokal, wo in kürzester Zeit die Begegnungen absolviert werden mussten.
Der 22. Spieltag auch deshalb erst Anfang April 1970, ein 2:1-Sieg gegen Tiefbau Ost, „Atze“ Wendt und „Maggie“ Wagner mit FE sicherten ihn. Und die dritte Runde im FDGB-Bezirkspokal wurde mit einem 5:2-Erfolg gegen Fortschritt Buchholz erreicht. Starke Einzelleistungen von Wagner (3 Tore) brachten den Erfolg, weitere TS: Kowalzcuk (87.) und „Atze“ Wendt (90.).
Ein vorsichtiger und durchaus überraschender Schritt zum Halbfinale! Nun wartete am 27. Mai mit Lichtenberg 47 ein dicker und praktisch unschlagbarer „Brocken“ aus der Bezirksliga in Pokal-Runde 4.

Aber die SG Friedrichshagen schaffte die riesige Sensation und bezwang Li 47 mit 3 : 2 ! Li 47 hatte zuvor in 34 Ligaspielen der Bezirksliga keine einzige Niederlage einstecken müssen und war gerade souveräner Berliner (Ost) Meister mit dem gewaltigen TV von 82 : 18 geworden !!

Bernhard Kohlt als überragender Doppeltorschütze brachte uns mit 2:0 recht schnell in Führung (10. 20.), Lichtenberg mit seinen Cracks glich aus, aber Klaus Thomsen erhöhte auf 3:2 (48.). „Maggie“ Wagner verschoss noch einen Elfer (62.) in einem rasanten und aufsehenerregenden Spiel.

 

Nun war die SG F als Bezirksklassenmannschft im Viertelfinale, Gegner BSG Luftfahrt, Bezirksliga, wieder hoher Favorit. Das schreckte aber unsere Grün-Weißen nicht, im Heimspiel erreichte man wieder ein sensationelles 2:2 nach Verlängerung, 2x Wagner (der aber wieder einen Elfer verschoss...) brachte uns das Wiederholungsspiel 3 Tage später am 10. Juni 1970. Und auch bei Luftfahrt ein sensationelles 1:1, wieder nach Verlängerung. Das 0:1 konnte Göricke kurz vor dem Wechsel ausgleichen, Gute Kritiken erhielten Wendt und Kohlt, beide Teams aber wegen der hohen Belastungen mit einigen Nachwuchskräften.
Elfmeterschießen gab es noch nicht, englische Verhältnisse mit einem dritten Spiel auch nicht, so musste das Reglement und die Pokalordnung entscheiden: der Klassentiefere zog in das Halbfinale gegen den Haushoch-Favoriten 1. FC Union II.

 

Das Halbfinale dann am 12. Juni bereits (es war unser siebtes Spiel in 14 Tagen !!), ein enormer Kräfteverschleiß. Daheim gegen den FC Union, zweite Mannschaft mit einigen „Stars“ !
Aber auch in diesem Spiel waren die Friedrichshagener fast gleichwertig und forderten den Favoriten (der dann Berliner Pokalsieger wurde !) beim 1:2 vor knapp 250 Zuschauern voll. Rainer Müller, 1968 DDR-FDGB-Pokalsieger und ein paar Wochen später Leistungsträger bei uns in Friedrichshagen, schaffte das 0:1, Mitschke (26.) glich aus. Nach der Pause hatte auch die SG F einige Chancen (Wendt 2x), ehe in der 83. Min. der Siegtreffer wieder durch R. Müller fiel.

 

Trotzdem natürlich der größte Pokalerfolg der SG Friedrichshagen in den bisherigen 58 Jahren ! Überragende Leistung und Einstellung (wieder wurden mit Kohlt, Alperstädt, Hämling und Orlik 4 extrem junge Spieler eingestzt) besonders nach dieser kräftezehrenden Saison-Schlussphase mit mehr 20 Spielen seit dem 23.3.1970 !

Gegen Union II trat SG Friedrichshagen an mit:
Heinze, Vogel, Schönknecht, Rückbrodt, Brosin, Göricke, Mitschke (Hämling), Thomsen, Kohlt, Wendt, Alperstädt (Orlik).

 

Den verdienten Saisonabschluss feierte man in Wernsdorf, Sportlerball in „der Linde“, bemerkenswert nun dabei: auch unsere (Spieler) Frauen spielten auf Kleinfeld gegen die einheimischen Frauen und gewannen sogar mit 2:0, bevor alle das Tanzbein schwangen....In Erinnerung bleibt auch die weiter wachsende Verbundenheit der Friedrichshagener mit „Ihrem Club“, was sich in stolzen Zuschauerzahlen (4 000 „Erfasste“ in 17 Heimspielen der Liga und damit Bezirksklassenprimus !) ausdrückte.

Die erstmals auflaufende Alte Heren-Mannschaft wurde gleich Staffelsieger mit 25: 7 Pkt. Also nur drei Niederlagen ! Eingesetzte Spieler: Liebhard 19, Przybylski 19, Keil 19, Schulz 17, Kowalzcuk 16, Haschenz 16, Lange 15, Lorenz 12, Rohde 10, Eckert 9, Mitscherlich 9, Schade 8, Dietze 8, W. Swistek 6, Rose 4, E Swistek 4, Zülchner 3, Jablonski 2 und Frieske 1.

Im Nachwuchsbereich auch Erfolge: die Knaben verpassten nur knapp den Aufstieg in die Bezirksliga und ereichten dabei starke 92 : 5 Tore ! Ähnlich knapp scheiterten die Schüler als Zweiter am Aufstieg in die Bezirksliga. Jugend und Junioren überzeugten noch nicht.

Aushängeschild weiter die 1. Herren. In der Meisterschaft landete man im Mittelfeld mit 13 Siegen, 9 Remis und 12 Niederlagen bei 46 : 55 Toren. Diese Serie war aber geprägt durch die fulminanten Pokalauftritte, den langen Winter und die damit verbundenen Spiele der Rückrunde in kurzer Zeit und den erfolgreichen Einbau von Juniorenspielern. Beste TS waren: Wagner 13, Wendt 8, Vogel 6, Kohlt 5, Goehricke, Schenk je 3, 6 mit je einem Tor.

 

Es war im Rückblick der Beginn eines „goldenen Jahrzehnts“, denn bereits ein Jahr später schaffte man mit außergewöhnlichen Verstärkungen (R. Müller, P. Schmidt, später W. Weißenborn, B. Decker, S. Berndt z. B.) den Schritt in die Bezirksliga und zwei Jahre danach dann den bislang größten Vereinserfolg: die Berliner Vizemeisterschaft 1972/73!

 

ME