Sport Club Burgund 1912 vor 100 Jahren, Saison 1919 / 1920, Teil 2

Union Oberschöneweide in Sadowa glatt geschlagen, Endspurt in der Meisterschaft, weiteres Aufblühen

 

Im Spätwinter Fortsetzung der Meisterschaft, im 9. Spiel der Runde trat Burgund in Karlshorst an. Im Hinspiel im Herbst noch ein relativ enger Erfolg, trumpfte man nun bei Heros groß auf. Besonders die zweite Hälfte überzeugte und Burgund siegte nach 6:3- Pausenführung noch hoch mit 10 : 3 !
im „Fußballsport“ der erste überlieferte Spielbericht einer Meisterschaftsbegegnung von Burgund !
„Ein spannender, flotter, leider etwas zu körperlich geführter Kampf. Burgund, bis zur Halbzeit leicht überlegen, erzielt durch gutes Stürmerspiel 6 Tore, Heros deren 3. Nach Halbzeit totale Überlegenheit von Burgund, 4 Tore sind das Ergebnis flüssigen Kombinationsspiels.“

 

Nicht nur in Berlin hatte Burgund nun schon einen Namen, anfangs der Serie das match in Neuruppin und nun am Karfreitag (ja, damals spielte man noch zu Ostern ...), den 4. April 1920 ein sehr aufschlussreiches Spiel gegen den SV Cüstrin, immerhin Meister der geografisch reichlich großen Neumark und wahrlich kein unbeschriebenes Blatt zu damaliger Zeit. Umso bemerkenswerter der 1 : 0 – Erfolg.
Ebenfalls bemerkenswert: die erstmalige Erwähnung von Richard Engel als überragender Mittelläufer. Eine Rolle, die er bis in die dreißiger Jahre in Friedrichshagen überzeugend ausfüllen konnte. Die Heimatzeitung schrieb:
„Flotter Kampf, beide Verteidigungen gut, 10 Minuten nach Wiederanpfiff gelingt es Burgund durch einen prachtvollen Schuss des Mittelverteidigers (Richard Engel) das einzige Tor zu erzielen. Burgund danach leicht überlegen. Bei Burgund zu loben: Karl Schmidt als Torwart, Bruno Gotta als Verteidiger und der Mittelläufer Richard Engel. Die Burgunder Stürmer zeigten gute Kombinationen, kranken aber an Schussvermögen.“
Launisch merkte der Verfasser noch an. „Zuvor besiegten die Schüler Burgunds die von Markomannia mit 3:0, die Kleinen, die gerade mal halb so groß wie die Fahnenstangen am Spielfeld waren, konnten durchaus gefallen“
Genau diese „Kleinen“ errangen in der Folgeserie als Schülermannschaft die erste Nachwuchsmeisterschaft des Kreises für den SC Burgund 1912 !!

 

In der Meisterschaft siegte man glatt gegen SC Südost mit 5:1 und hatte am 9. Mai das „Endspiel“ beim Staffelmeister VfB Berlin, die sich (noch) etwas besser präsentierten und am Ende 4 : 2 gewannen. Aber der „Fußballsport“ attestierte: „Beide Mannschaften besitzen eine Spielstärke, die man bei Bezirksvereinen selten sieht“

Nicht nur die Spielstärke wuchs, auch die Anzahl der kickenden Aktiven wuchs weiter an, so dass sogar in de Serie drei (!!) Herrenmannschaften im Wettbewerb waren. Erklärlich ja auch deshalb, da Auswechslungen nicht gestattet waren, jedes Team also im besten Fall mit genau 11 Spielern reiste oder sich auf heimischer Scholle traf.
Auch administrativ weiter namhafte personelle Aufstockungen: Gründer Erich Noster als SC-Chef, Kohlenhändler und Hauptsponsor Willy Spichale als Gönner (und späterer langjähriger Vorsitzender), Karl Weidner als Geschäftsführer/Schriftführer, ein Bündnis, was Jahre hielt...

 

Und am 23. Mai 1920 dann der große Knaller: der SC Burgund gastierte freundschaftlich in Sadowa (heute Alte Försterei !!) bei der Reserve von Union Oberschöneweide. Unions Erste wurde in dieser Serie (trotz Serienabbruch !) Berliner Meister, die Reservemannschaft war also schon ein dicker Brocken ! Umso erstaunlicher (und weiteres Reifezeugnis !) der relativ glatte Erfolg mit 3 : 0 vor ansehnlicher Zuschauerzahl.

Das Fachorgan schrieb: „1:0 durch Schneider, Mittelläufer Engel treibt seine Stürmer immer wieder an. TW Schmidt gut. Nach einem glänzenden Zusammenspiel Tieste, Engel, Grätz und Rechtsaußen Weidner kann Schneider mit Kopfball das 2:0 erreichen. Die Mauer Tieste - Gotta steht. Oftmals spielt man das Einverteidiger-Spiel (Anm.: Ein Verteidiger von den beiden stellt durch schnelles Herausrücken mindestens einen von 3 Angreifern abseits), das 3:0 fiel im Nachschuss. Burgund führte ein gutes Zusammenspiel vor, jeder Einzelne zeigte sein Bestes“.

 

Dieser Erfolg erregte Aufsehen, zeigte die gewachsene Stärke und gab einen sportlichen Vorgeschmack auf eine extrem erfolgreiche Folgeserie, von der die Aktiven und „Macher“ im Club aber noch nichts ahnten....
Zudem war dies der Beginn einer Reihe von freundschaftlichen Vergleichen mit dem Großen Nachbarn Union aus der Wuhlheide bis hin zum Jahr 2017.

 

In der Meisterschaft belegten die Burgunder den 4. Platz, noch nicht gut genug für die ganz oberen Plätze, aber schon zu stark für die anderen in der Tabelle.
In Friedrichshagen sind Allemannia 1911 und auch VfB 08 weiter aktiv, aber Burgund übernimmt Schritt um Schritt sportlich wie vom Ansehen her die Vormachtstellung, ist zudem im richtigen Verband (Berlin), hat eine gute und immer besser werdende Mannschaft und sehr guten Nachwuchs. Der Sportclub ist rührig im Ort unterwegs, immer präsent und gewinnt dadurch weitere aktive und passive Anhänger.

 

ME