Sport Club Burgund 1912 vor 100 Jahren, Saison 1919 / 1920

Als kleine Aufheiterung und Ablenkung in diesen Zeiten unsere historische Rückblicke in loser Folge, durchaus interessant, wenn wir wissen wollen, wo unsere Wurzeln sind...

 

Nach den 4 furchtbaren Kriegsjahren 14 -18 gab es natürlich keine Sportserie 18/19, die erste „richtige und reguläre“ Serie auch im großen Fußballbereich mit Wettkämpfen und Meisterschaften begann wieder im Frühherbst 1919. Aber fast natürlich war diese Serie 1919/20 zerrissen, sportlich wie verwaltungsseitig. Viele Verbände stritten um die „Gunst“ der Vereine (es waren immerhin 198 Vereine, die mit 654 Mannschaften antraten !), namhaft und dominierend dabei : Berliner Fußballvereinigung, der Märkische Fußball-Bund und der Arbeiter-Turn-Bund (A.T.B).

In allen Verbänden gab es Titelkämpfe, die Burgunder spielten (obwohl nicht Berlin angehörig !) im Berliner Verband, andere Berliner Teams im Märkischen Verband, manche Friedrichshagener Vereine auch im Arbeiter-Turn-Bund (Allemannia), es war fast alles möglich... Dazu kam eine eigene Verbandszeitung: „Der Fußballsport“ (bis heute bekannt als FuWo) wurde ins Leben gerufen und berichtete informativ und sehr ausführlich.

 

Unsere Ahnen hatte sich ja im Januar 1919 in „Sport Club Friedrichshagen 1912“ umbenannt, Das Kürzel e. V. fehlte noch, denn die Gemeinnützigkeit wurde dann erst 3 Jahre später, im Juli 1922, beantragt und zuerkannt.
Der SC Burgund 1912 war neben Allemannia und VfB 09 Friedrichshagen „Überlebende“ von ehemals 8 stark konkurrierenden Friedrichshagenern Fußballvereinen, diese drei bestimmten einige Jahre nach 1918 das Fußballgeschehen in Friedrichshagen bis zur Fusion Alemannia mit VfB zum SV 09 Friedrichshagen am 1. Juli 1921.

 

Die nach manchen Querelen, Streitigkeiten und Auseinandersetzungen praktizierte Ligeneinteilung in Berlin war letztendlich simpel und auch logisch: Es wurden 4 Kreise von Osten über Süden, Westen bis Norden gebildet.
Innerhalb der Ligen Staffelung in Ligaklasse, 1. Klasse und gleichberechtigten Bezirksklassen A, B, C und D.
Die Herbstserie war den Spielen in einer „Vorrunde“ vorbehalten (erste Vorqualifikation), danach setzte man die Bezirksklasssen zusammen, dann ab Frühjahr die „Qualifikationen“ für die Folgeserie 1920/21, um einigermaßen realistisch die Spielstärken im allerersten Wettbewerbsjahr berücksichtigen zu können.

Der SC Burgund 1912 begann die Vorrunde im Spätsommer 1919, kurz davor hatte man noch eine Leichtathletik-Abteilung gegründet. Nicht uneigennützig, denn Leichtathletik war damalig die anerkannte Trainingsform zur Steigerung von Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit. Trainingstage bei uns waren der Dienstag, 19 Uhr und der Mittwoch 17 Uhr, Trainingsinhalt viel Lauf-, Kraft-, Schnelligkeitsübungen, wenig Balltechnik wie heutzutage...

Auf dem grünen Rasen (oder auf Sand oder Schotter oder Wiese oder Waldboden, je nachdem...) spielte man durchaus auch schon hochkarätig, am 3. August 1919 z. B. bei einem sogenannten „Gesellschaftsspiel“ in Neuruppin, wo Burgund sehr überraschend mit 4 : 2 gewann.

 

Das erste und ersehnte Meisterschaftsspiel dann am 31. August gegen Eintracht Frankfurt/Oder, neben dem 4:1- Erfolg (2:1 zur Pause) und dem historischen Auftaktsieg ist die Aufstellung interessant, es ist die erste überlieferte Teamformation !:
Schmidt I im Tor, Bruno Gotta und K. Kelpe die beiden Verteidiger, Plew, Erich Noster (einer unserer Vereinsgründer !) und Hardt die Läufer, Karl Weidner, Schneider II, Schneider I, P. Schmidt, Aschenbrenner die Stürmer.

Nicht wundern, damals spielte man das 2-3-5- System. Auch gab es die Abseitsregelung mit 3 (!) Spielern, Auswechselungen waren nicht erlaubt.

Unsere Heimatzeitung urteilte: „Bei Burgund gefiel der linke Flügel sehr gut: Hardt (Läufer), P. Schmidt, Aschenbrenner. Schneider als Mittelstürmer gut, Plew (Läufer rechts) vor dem Tor gut, im Lauf manchmal zu langsam, Weidner I als RA gut., Nosters Kopfarbeit (als Mittelläufer) gut. Verteidigung Gotta und Kelpe I gut, bis auf ein Eigentor. Schmidt I im Burgunder Tor leistete alte, gute Arbeit. Bester Mann bei Eintracht der TW, der noch blendend hielt“

 

Dennoch brachten die 7 Spiele der „Vorrunde“ nicht das Optimum, nur 2 Siege und damit keine Qualifikation für 1. Klasse, Einreihung damit in die Bezirksklasse C war die Konsequenz, Gegner waren nun VfB Berlin 1911, Eintracht F/Oder, Wacker 05 Lichtenberg, Süd-Ost, TV Deutsche Eiche und Heros Karlshorst.

Diese Hinrunde der Bezirksklasse begann bereits Anfang November 1919, die Rückrunde startete im Februar 1920. Burgund begann durchwachsen und hatte nach der „Hinrunde“ zwar die unteren Mannschaften gut geschlagen, war aber in Spitzenkämpfen (wie beim 2:4 bei VFB Berlin) noch zu „grün“.

Der „Fußballsport“ druckt die erste Tabelle mit SC Burgund 1912 !:

Spitzenreiter VfB Berlin, 6 Spiele, 5 0 1, 18 : 6 Tore,  10 : 2 Punkte, vor Eintracht F/Oder (auch 10:2 Punkte) und Wacker 05  Lichtenberg (8:4 Pkt.),

dann auf Platz 4 Burgund 1912,  6 Sp., 3 Siege, 3 Niederlagen, 19 : 15 Tore, ausgeglichenes Punktkonto mit 6 : 6.


Es war also noch was „drin“ nach der Hinrunde, immer mehr Friedrichshagener erwärmten sich für das Team und den Verein, die Mitgliederzahlen stiegen (aktiv wie passiv !) und die Zuschauerbegeisterung auch.
Blicken wir nach vorn, wie die erste Burgunder Serie endete...

ME