Wichtige Ergebnisse

Gewalt gegen Schiedsrichter geht gar nicht

Von unserem SR-Obmann, G. Mielenz, angeregt, hier eine offene Petition einer Schiedsrichter-Arbeitsgruppe aus Tönnisvorst, egal, könnte auch Grünheide, Pampow oder Treptow-Köpenick sein...

 

Der DFB als oberster Dachverband ist in der Pflicht, auch bei diesem sensiblen, wichtigen und emotional so beladenen Thema. Wir alle haben in dne letzten Jahren und Jahrzehnten Einiges erlebt, aber die Gewaltspirale dreht sich höher und höher. Mal muss Schluss sein. der neuliche SR-Ausstand in Berlin war ein großes Austufezeichen.

 

Hier der offene Brief, die Petition an den DFB:

 

Endlich raus aus dem Schneckenhaus

Sehr geehrtes Präsidium des DFB, wir sind eine Schiedsrichter-Arbeitsgruppe, die sich ausschließlich mit dem Thema „Keine Gewalt gegen Schiedsrichter“ beschäftigt und sich 2003 nach einem brutalen Angriff auf einen Kollegen gegründet hat.

Im Namen vieler Schiedsrichter und unzähliger Befürworter eines von Respekt und Fairness geprägten Fußballs verbinden wir diese Petition mit klaren Vorstellungen, was die Basis im Umgang mit den Gewaltangriffen von Ihnen, dem Präsidium des DFB, erwartet.

In Anbetracht dieser Gewaltexzesse sehen Sie uns daher bitte - bei allem Respekt - nach, dass wir im Nachgang unmißverständlich Klartext reden.

Die Gewaltattacken gegen Schiedsrichter haben in den vergangenen Jahren an Häufigkeit und Brutalität deutlich zugenommen. Ein Ende der Spirale scheint dabei nicht in Sicht zu sein. Die unzähligen, verbalen Angriffe gegen Schiedsrichter auf den Sportplätzen, die im öffentlichen Leben zu Strafanzeigen führen würden und der Nährboden der Gewaltexzesse sind, werden in dem Zusammenhang leider kaum noch erwähnt.

Dass es bisher noch keinen schwerstverletzten oder toten Schiedsrichter gegeben hat, ist allein auf glückliche Umstände zurückzuführen. Wir steuern inzwischen - OHNE Übertreibung - sehenden Auges auf ein Unglück zu, wenn nicht schnell, wirkungsvoll und erkennbar bis an die Basis Veränderungen herbeigeführt werden. Veränderungen, die in vielen Bereichen der DFB vorgeben und auf den Weg bringen MUSS.

Sich aber, wie durch Herrn Ronny Zimmermann (Vize-Präsident DFB und zuständig für Schiedsrichter) in einem Interview zuletzt betont, als Präsidium des DFB nur für die ersten 3 Ligen zuständig zu erklären, ist eine schallende Ohrfeige für jeden Schiedsrichter in den unteren Klassen. Sowohl die E-Mails mit unseren Spiel-Ansetzungen sind mit „DFB SR-Ansetzung“ überschrieben als auch unsere Ausweise tragen ausdrücklich den Titel „DFB Schiedsrichterausweis“. Nirgendwo steht dort „nur“ Saarland, Bayern, Niederrhein o.ä. Somit sind Sie, ob Sie das wollen und akzeptieren oder auch nicht, das Präsidium des Verbandes, dessen Mitglieder wir Schiedsrichter sind. Demnach sind SIE als Präsidium für uns zuständig.

 

Wenn der DFB die Schiedsrichter im Rahmen der Ansetzungen zu einem Spiel entsendet, dann hat es ihn auch definitiv zu interessieren, wie es diesen dort ergeht. Wenn dann ein Schiedsrichter attackiert wird, dann haben Sie sich zu kümmern und mit ALLER Macht für ihn da zu sein. Es ist völlig inakzeptabel, sich dies von der eigenen Agenda an Regional- und Landesverbände wegdelegieren zu wollen.

Wie auch in jedem Unternehmen gibt der Chef die klare Richtung für alle untergeordneten Instanzen vor. Eine Vielzahl an Maßnahmen können ausschließlich Sie federführend auf den Weg bringen. Ihnen wird bekannt sein, dass dies auch die Meinung vieler Schiedsrichter-Obleute der Regional- und Landesverbände ist. Dass es z.B. je nach Landesverband unterschiedliche Strafen für Angriffe auf Schiedsrichter gibt, ist genauso wenig zu akzeptieren, wie die Tatsache, dass Gewalttätern überhaupt eine 2.Chance eingeräumt wird, nochmal einen Schiedsrichter anzugreifen. Wer einen Schiedsrichter schlägt, tritt, anspringt oder bespuckt, darf in Deutschland nie mehr in einem Verein Fußball spielen!! Hier muss der Schutz der Schiedsrichter als höheres und schützenswertes Gut absoluten Vorrang vor einer imaginären 2.Chance für gewaltbereite Personen haben.

Was wollen Sie einer Ehefrau sagen, deren Mann von einem wieder spielberechtigten Gewalttäter ins Krankenhaus oder schlimmer geprügelt wurde, weil man den Täter erneut auf Schiedsrichter losgelassen hat?

Sie müssen auch beschließen, dass, wenn ein Schiedsrichter attackiert wird, der Verband Anzeige gegen den Gewalttäter erstattet. Wenn Sie das vorgeben, öffentlich machen und von den Regional- und Landesverbänden eine kurzfristige Rückmeldung verlangen, wer vor Ort dafür zuständig ist, dann wäre dies ein deutliches Signal an Schiedsrichter, Täter und alle am Fußball beteiligten Personen.

 

Der DFB muss für seine Schiedsrichter eine Rechtschutzversicherung abschließen, damit diese die zivilrechtliche Verfolgung (Schmerzensgeld) nicht u.U. aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Wenn der DFB alle 57.000 aktiven Schiedsrichter versichern und auch die Selbstbeteiligung bei den knapp 3.000 Angriffen auf Schiedsrichter übernehmen würde, wären dies insgesamt Kosten von ca. 1,5 Mill EUR (Angebot liegt vor). Laut Ihrem Nachhaltigkeitsbericht von 2016 investierte der DFB 5,9 Millionen EUR in Fanprojekte (= Nicht-Mitglieder). Dann

sollte Ihnen die Unterstützung Ihrer Schiedsrichter (= Mitglieder) doch ein Viertel des Geldes wert sein, oder? Oder etwa nicht?

Diese Liste können wir weiterführen. Noch lieber aber würden wir sie mit Ihnen umsetzen.

Begründung

Dass die, von Ihrer 2014 ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe, veröffentlichten Statistiken sogar deutlich weniger Angriffe ausweisen, als die Wirklichkeit auf den Sportplätzen leider zeigt, wurde uns aus Kreisen des DFB inzwischen mehrfach bestätigt. Aber selbst, wenn wir Ihre im September 2019 veröffentlichten Zahlen von exakt 2906 Angriffen auf Schiedsrichter zugrunde legen, bedeutet dies, dass deutschlandweit jeder 19. (!!) aktive Schiedsrichter pro Saison (!!) von Gewalttätern angegriffen wird. Dass dann hierfür trotzdem von Seiten des DFB wiederholt die Bezeichnung „Einzelfälle“ hervorgekramt wird, ist ein beschämendes Schönreden und Verwässern dieser Menge an brutalen Körperverletzungen.

Wir reden von Menschen, die als Sportler nichts anderes im Sinn hatten, als mit Freude und Ehrgeiz ihrem Schiedsrichter-Hobby nachzugehen und dabei zum Opfer von Gewaltattacken werden. Einem Hobby, dass im Freundes- und Bekanntenkreis sowie in der Öffentlichkeit immer häufiger zu ungläubigem Kopfschütteln führt, da niemand nachvollziehen kann, wie man sich freiwillig dieser Situation aussetzen kann. Um es vorwegzunehmen, es ist ein wunderschönes Hobby! Allerdings sind die Begleitumstände schon lange nicht mehr akzeptabel. Es ist nicht hinnehmbar, dass viele Schiedsrichter inzwischen, auch wenn nichts passiert, schon mit einem mulmigen Gefühl zu ihren Spielleitungen fahren.

Ausweislich Ihrer eigenen Statistiken führt der DFB aktuell ca. 57.000 aktive Schiedsrichter. Seit der Saison 2015/16 wurden, gemäß DFB-Veröffentlichungen, über 28.800 Schiedsrichter neu hinzugewonnen. Im selben Zeitraum haben wir allerdings über 32.500 Schiedsrichter verloren. Was glauben Sie, könnte die Ursache dafür sein, dass wir so viele Menschen für dieses tolle Hobby zunächst BEGEISTERN können, um zeitgleich eine noch größere Zahl ENTGEISTERT zu verlieren?

Es ist auch nicht als „gesellschaftliches Problem“ wegzuschieben und in dem Zusammenhang gehaltsvolle Forderungen an die Politik zu formulieren. Solche Angriffe auf Schiedsrichter finden Sie in keiner anderen Sportart (Handball, Basketball, Eishockey, ....). Es ist ein Problem des Fußballs. Und darum ist der „Deutsche Fußballbund“ gefragt. Schiedsrichter anderer Sportarten gehen viel gestärkter in ihre Spielleitungen. Die Konsequenzen für ein Fehlverhalten ihnen gegenüber sind dort viel gravierender. In vielen Lebenssituationen werden aufgestauter Frust und Wut an den schwächsten Gliedern einer Kette ausgelassen. Der Schiedsrichter ist auf dem Fußballplatz nicht nur zahlenmäßig das schwächste Glied. Dadurch, dass er wenig bis keine Rückendeckung genießt und sich der eigene Verband obendrein als „nicht zuständig“ erklärt, wird er zusätzlich und unnötigerweise weiter geschwächt.

Was sollen wir einem Vater sagen, der fragt, ob er Angst um seinen Sohn haben muss, wenn dieser als Schiedsrichter zu einem Spiel fährt?

Sehr geehrter Herr Keller, machen Sie die Attacken auf IHRE Schiedsrichter an der Basis zur Chefsache!! Wenn der DFB weiter so untätig bleibt, dann hat er entweder vor der Gewalt kapituliert oder toleriert sogar diese fast 3.000 „Einzelfälle“. **Wer sich aber weiter wegduckt, das Thema weiterreicht und wer nicht alles, was in seiner Macht steht, versucht, um diesen Gewaltexzessen entgegenzutreten, der macht sich MITSCHULDIG !!! **

Zuletzt haben Sie ein Statement veröffentlicht, in dem Sie die Gewalt gegen Schiedsrichter und jeden einzelnen Fall verurteilen. Natürlich ist dies alles ehrenhaft und richtig. Sie werden aber in Deutschland auch kaum jemanden finden, der die Gewalt gegen Schiedsrichter als „positiv“ bewertet. Eine falsche Meinung wirft Ihnen auch tatsächlich niemand vor. Der Vorwurf lautet „UNTÄTIGKEIT“. Wir brauchen von Ihnen nicht nur HALTUNG, sondern HANDLUNG.

 

Welches Bild gibt der DFB ab, wenn Staatsanwaltschaften aktiv werden, Innenminister der Länder aufmerksam werden, Städte für diese Gewalttäter Betretungsverbote der Sportanlagen durchsetzen und das zuständige Präsidium weiter im „Schneckenhaus“ verharrt.

Oftmals spricht der DFB von der „großen Fußball-Familie“. Wie kann dann das Familien-Oberhaupt tatenlos zusehen, wenn fast 3.000 Familien-Mitglieder angegriffen werden?

Zeigen Sie uns, dass das Präsidium des DFB für die Schiedsrichter an der Basis da ist und die Brisanz der Situation erkannt hat. Lassen Sie uns kurze Entscheidungswege finden und ENDLICH ANPACKEN.

Und zwar nicht erst, wenn noch Schlimmeres passiert, sondern jetzt, bis an die Basis spürbar und durchgreifend. Genau daran werden Sie sich messen lassen müssen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung,

Arbeitsgruppe "Keine Gewalt gegen Schiedsrichter" aus Tönisvorst