Von Dritten bezahlte Sportler sind Arbeitnehmer des Vereins

Anbei eine interessante Info zum o.g. Thema mit Gerichtsfundstelle

 

Hier ein interessanter Artikel von H. Baumann (Stellvertretender Vorsitzender Bezirkssportbund) zum sehr (auch in unserer Umgebung !) verbreiteten Modell des fiktiv bei Dritten Angestellten, der dann aber ausschließlich für einen Verein den Sport ausübt. Muss nicht nur Fußball sein. ist es aber in der Realität hauptsächlich.

 

Sind von Dritten bezahlte Sportler Arbeitnehmer des Vereins?

 

Wird ein Spieler nur zum Schein von einem Sponsor des Vereins beschäftigt, in Wahrheit spielt er jedoch aufgrund einer internen Vereinbarung nur für den Verein, liegt ein Beschäftigungsverhältnis mit dem Verein vor. Erleidet dieser Spieler dann einen Sportunfall, muss die gesetzliche Unfallversicherung des Vereins eintreten und leisten.

 

Der betroffene Fußballspieler war in einer Mannschaft der 5. Liga (!) aktiv und zog sich bei einem Spiel einen Kreuzbandriss zu. Als er diesen Unfall über den Verein als Arbeitsunfall bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft melden wollte, wurde der Anspruch zurückgewiesen. Begründung: mangels Arbeitsverhältnis zwischen Verein und Spieler liegt kein Arbeitsunfall vor.

Der Sportler war hauptberuflich in einem Autohaus als Minijobber angestellt. Dort hatte er aber nie gearbeitet, sondern sich in einer Regelung in seinem Arbeitsvertrag zur Teilnahme am Fußballtraining und an Spielen eines Fußballvereins verpflichtet. Diese Konstruktion sollte dazu dienen, dass der Spieler von dem Autohaus, dessen Geschäftsführer zugleich der Manager der Mannschaft und gleichzeitig der Sponsor des Vereins war, eine rechtlich korrekte Bezahlung erhält.

Die Entscheidung
Das SG kam kurz und schmerzlos zu dem Ergebnis, dass der Spieler kein Beschäftigter des Autohauses war, sondern ein Beschäftigungsverhältnis zwischen Verein und Spieler bestand, auch wenn das Geld letztlich von dritter Seite stammte. Daher war der Arbeitsunfall durch die VBG anzuerkennen und diese zur Leistungserbringung verpflichtet.

 

Konsequenzen für die Beteiligten
Konstruktionen, wie in diesem Fall, sind in der „Branche“ weit verbreitet, weil alle Beteiligten meinen, das große Geschäft zu machen und der Sponsor die Ausgaben im Unternehmen noch als Betriebsausgaben absetzen kann.

 

Bei genauerem Hinsehen kommt man jedoch zu dem Ergebnis,
· dass der Verein einen bezahlten Spieler hat und damit ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb vorliegt;
· die Überlassung des Spielers an den Verein eine Arbeitnehmerüberlassung nach dem AÜG darstellen kann
· nach neuerer Rechtsprechung des BFH die kostenlose Überlassung des Spielers an den Verein schenkungssteuerpflichtig ist.

Fazit:
Solche Modelle mögen zwar auf den ersten Blick kreativ sein, auf den zweiten Blick sind damit jedoch erhebliche rechtliche und steuerrechtliche Risiken – vor allem auch für den Verein – verbunden, sodass dies gut überlegt sein sollte.

Fundstelle: SG Hamburg, Urteil v. 08.08.2017, Az.: S 40 U 231/15

 

Mit freundlichen Grüßen

Heidolf Baumann
Stellv. Vorsitzender